GaultMillau 2008:

«... brachten uns ins Schwärmen»


Das Ostschweizer Küchenwunder Vreni Giger zaubert in ungebrochener Kreativität und Frische wöchentlich ein neues Fisch-, Vegi- und Fleischmenü mit saisonalen Bioprodukten auf den Tisch. Ein kleiner Schönheitsfehler allerdings vorweg: Man wünschte sich als Gast den Freiraum, anstelle obligater Fünf- oder siebengänger, zu denen sich - grosszügigerweise - mindestens drei bis vier exquisite Grüsse aus der Küche gesellen, auch nach dem Motto "weniger, aber mehr" speisen zu können. Das könnte man übrigens leicht korrigieren: Von manchen Köstlichkeiten Vreni Gigers hätte man am liebsten eine Riesenportion und nicht nur gerade zwei Degustationsbissen.

Zum Auftakt gab es Schwiegermutterzungen und Rührei mit Beurre blanc, dekorativ in Wachteleierschalen auf Stroh angerichtet. Ein hochfeines Ochsenschwanzsüpchen begeisterte im Geschmack, die Grmüsebrunoise war allerdings schon sehr knackig. Ein kleines, in Teig ausgebackenes Stück Minibanane spielte auf der Kalviatur der Aromen meisterlich mit Koriander, Chili und Chutney. Tadellos auch die Milken auf gedünsteten Endivien und krossem Speck, während der gebackene, mit Brie gefüllte Risotto auf Rotweinzwiebeln in Konsistenz und Geschmack nicht überzeugte und eher frittierten Krokettbällchen ähnelte. Vor den Hauptspeisen setzte ein perfektes Caramelköpfli einen überraschend angenehmen Zwischenakzent. Weiter ging's mit einem Dreierlei vom Gitzi, bei dem Schulter, Raviolo und Rack mit Bärlauchknöpfli, geraffelten Rüebli und grünem Kartoffelstock serviert wurden. Ein weiterer Höhepunkt bei den Fischgerichten: Sowohl der innen noch leicht rohe Schwertfisch mit kandierten Zitronenzesten und Rüebli als auch die zarten Bodenseekretzerli an schaumiger Buttersauce und Mangoldgemüse brachten uns ins Schwärmen. Kleines Minus am Rande: Sie wurden jeweils von sehr wenigen, harten Kartoffelperlen begleitet.

Grosse Finale bei Dessert und Kaffee: Zusätzlich zum bestellen Mohnsoufflé mit süsser Marzipanglacé - winzig, aber hinreissend - wurden wir mit Eiskaffee und unwiderstehlichen hausgemachten Pralinés zum Espresso verwöhnt.

Der Service ist freundlich und professionell, das Restaurant geschmackvoll dekoriert - besonders schön die elegante Tischwäsche aus Leinen. Und es war ein Vergnügen, sich mit der äusserst kundigen Patronne Simone Lanz über Schätze aus dem grandiosen Weinkeller zu unterhalten, der vor allem dank der Spürnase von Ueli Lanz einer der besten der Schweiz ist.

 

 



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