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GaultMillau 2009:
«Ein Feuerwerk auf dem Tisch»
Schon das Amuse-bouche zeugte von der Klasse, die Chefin Vreni
Giger erreicht hat: ein Tässchen Brennnesselsuppe und ein
Brennnesseltörtchen verströmten betörenden Duft. Woche für Woche
kocht die kreative Ostschweizer Grande Dame dann ein neues Vegi-,
ein Fisch- und ein Fleischmenü mit Bioprodukten aus der Region.
Wir wählten das Fisch- und das Fünfgangmenü - beide waren
grossartig.
Das Fischmenü begann mit einer Variation von Felchen: ein Tatar
zwischen hauchdünnen Rettichblättern, garniert mit ein wenig
Felchenkaviar. Dann folgten ein à la Rollmops gerolltes Filet
auf hellgrünem "Nudelnestli" - die Nudeln aus Gurken geschnitzt!
-, eine herrliche Felchenterrine im Lauchblatt und ein Tässchen
leichte, schaumige Suppe von geräucherten Felchen. Als zweite
Vorspeise gab's Erbsensuppe mit einer Jakobsmuschel in Scheiben
mit einem Löffel Panna cotta. Spannend schmeckte auch die
Hecht-Gemüse-Terrine mit vanillierter Beurre blanc auf knackigen
Kefen. Als Hauptgang überzeugte ein gebratener Bodenseezander
mit Fenchel und Cherrytomaten.
Ein ähnliches Feuerwerk zauberte Vreni Giger beim Fleischmenu
auf den Tisch: Ein Tomatencarpaccio aus Tomaten - die noch
schmeckten, wie eine Tomate schmecken soll (wo hat sie die bloss
her?) - mit einem warmen Ziegenkäse unter einer Kruste.
Ein Risotto mit Artischockenstückchen und Rohschinken vom
Wollschwein. Eine gebratene Geflügelleber auf karamellisiertem
Rhabarber, die den Vergleich mit Foie gras nicht fürchten
musste. Und als Hauptgang ein geschmacklich hervorragender
Kalbsrücken mit Liebstöckel-Kartoffelpüree mit Eierschwämmchen
und ein wenig konzentrierter Balsamicosauce. Hier gab's die
einzige Kritik des ganzen Abends: Das Fleischstück war klein und
zu trocken.
Nach dem Prédessert - Löwenzahnparfait, Joghurt mit
Löwenzahnhonig und verdünnter Cynar mit Löwenzahnhonig - folgten
die Desserts: ein warmes Kirschentörtchen mit Streusel,
zitronige Rahmglace und ein Biscuittörtchen mit Quarkcreme und
vielen Walderdbeeren sowie einer Kugel Erdbeerglace. Nur die
Pralinen zum Café waren etwas "latschig". Aber dem
Gesamterlebnis tat dies keinen Abbruch, auch dank der
freundlichen Bedienung durch Patronne Simone Lanz und ihr Team.
Einer neu engagierten Sommeliere überliess sie charmant die
Präsentation der Trouvaillen aus dem Lanz-Keller, die wir
glasweise genossen.
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