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St. Galler Tagblatt
vom 5. November 2009
«Vreni
Gigers Jägerhof», St.Gallen:
höher geht' immer.
Dass man im «Jägerhof» seit Jahren wunderbar speist (und
trinkt), ist eine völlig zutreffende, aber leider auch völlig
unjournalistische Aussage: Sie ist, spätestens seit Vreni Giger
2003 von GaultMillau zur «Köchin des Jahres» gekürt wurde,
schweizweit bekannt. Schreiben wir also besser, was es von
diesem gastronomischen Kraftort Neues zu berichten gibt.
Das gibt es nämlich. Hier die beidenwichtigsten News:
Seit dem 1.Oktober ist Vreni Giger Alleinherrscherin im Hotel
und Restaurant «Jägerhof». Simone und Ueli Lanz haben sich
zurückgezogen, werden aber ihre Leidenschaft für den Wein in
neuer Form weiterpflegen. Und zweitens: Wir haben bei unserem
jüngsten Besuch im «Jägerhof» noch besser gegessen
denn je, obwohl wir uns das vorher schwerlich vorstellen
konnten. Vreni Gigers Bio-Knospen-Küche hat, was Profil und
Erfindungsreichtum betrifft, nochmals einen Zacken zugelegt.
Mit Trüffeln verblüffen
Die beschwingte Leichtigkeit dieser konsequenten, aber
keineswegs doktrinären biologischen Küche kündigt sich schon
mit dem Gruss aus der Küche an, einer Kürbismousse
umgeben von Kürbis-Chips. Rechnet man noch den zwischendurch
gereichten «Pausenfüller» – ein wunderbar leichtes
Limonen-Quark-Törtchen – hinzu, wird auch aus dem Fünf- (125.–)
ein Sieben-, aus dem Sieben- (165.–)
ein Neungänger – und man steht trotzdem froh und unbeschwert vom
Tisch auf. Aus den vier Menus, aus dem Gänge auch einzeln
herausgepickt werden dürfen, wählten wir das traditionelle und
das Herbst-Menu. Vreni Gigers
Kreationen eines ganzenAbends aufzuzählen, würde den Rahmen
sprengen. Uns verblüfften erst einmal die
Gerichte mit St.Galler Trüffeln: Das pochierte Ei mit
Trüffeln und das raffinierte Appenzeller Kaninchenrückenfilet
gefüllt mit Trüffeln. Tatsächlich
verfügt Vreni Giger über eine Lieferantin, welche auf St.Galler
Kantonsgebiet Trüffel findet, die
keinen Vergleich mit berühmten Provenienzen scheuen müssen!
Vreni Gigers Umgang mit den sorgfältig ausgewählten
Knospen-Produkten ist rundum perfekt, sei es die wunderbare
Kombination einer Geflügelleber-Praline mit Brioche und
Quittenkompott, seien es die gebratenen Steinpilze von
unerreichter Konsistenz, sei es das rosa gebratene St.Galler Reh
mit herbstlichen Beilagen, das dem Geniesser im Munde zergeht.
200 Weine im Offenausschank
Während wir es nicht über uns brachten, die hochstehende
Käseauswahl links liegenzulassen, begeisterte unser Gegenüber
eine sensationelles Dessert: Schoggi-Williams-Schnitte
mit Botzi-Birne, begleitet von einem – wie wir hörten –
überirdischen Birnensorbet. Von der
immer noch Lanz’schen Weinauswahl sind löblicherweise alle
Flaschen bis zu 85 Franken auch im Offenausschank erhältlich.
Wir labten uns an einem St.Laurent 2004 von Zagersdorf
(12.50/dl), empfohlen von der
bewährten Sommelière Claudia König. Neu ist der sehr
zuvorkommende Riad Burgmann als Chef de Service.
Unser Eindruck: Wie man scheinbar Unübertreffliches immer noch
besser machen kann, das beweist Vreni Giger als
neue Alleinherrscherin im «Jägerhof».
Gottlieb F. Höpli
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Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlages |
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